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Anoden und Schutz vor galvanischer Korrosion

Wie kathodischer Schutz funktioniert, wie man das Anodenmaterial zum Revier wählt und wann sie zu wechseln ist.

Die Superyacht Lady Lau in Bonifacio

Galvanische Korrosion entsteht, wenn zwei unterschiedliche Metalle elektrisch verbunden und in einem gemeinsamen Elektrolyten (Wasser) getaucht sind und so ein Element bilden. Das unedlere Metall (die Anode) korrodiert und schützt das edlere (die Kathode). Auf einer Yacht sind Propellerwelle, Propeller, Seeventile, Ruder, Badeleitern und die Wärmetauscher des Motors gefährdet. Kathodischer Schutz bedeutet, gezielt ein noch unedleres Metall hinzuzufügen — eine Opferanode —, die sich opfert und statt der wertvollen Teile korrodiert.

Die Wahl des Anodenmaterials hängt vom Gewässer ab und ist die entscheidende Frage. In Salzwasser verwendet man Zinkanoden, in Süßwasser Magnesium (Zink passiviert im Süßwasser und schützt nicht mehr) und in Brackwasser (Flussmündungen, küstennahe Ostsee) meist Aluminiumanoden, die über einen weiten Salzgehaltsbereich arbeiten. Zink im Süßwasser einzusetzen ist ein häufiger Fehler, der dazu führt, dass der Schutz ausbleibt und die geschützten Teile korrodieren. Aluminium wird heute oft als universell und umweltverträglicher empfohlen.

Die Wirksamkeit des Schutzes hängt von der elektrischen Durchgängigkeit (Bonding) ab. Alle geschützten Metallteile unter Wasser sollten über einen gemeinsamen Potenzialausgleichsleiter mit der Anode verbunden sein, damit sie ein System bilden. Die Anode muss eine saubere, metallisch blanke Kontaktfläche haben — lackieren Sie niemals die Anode oder die Kontaktfläche, denn Farbe isoliert und schaltet den Schutz ab. Prüfen Sie außerdem, ob die Anode fest am geschützten Teil angezogen ist (etwa der Bund auf der Welle), denn ein loser Kontakt unterbricht den Stromkreis.

Anoden gibt es in vielen Bauformen passend zum Bauteil: Ringanoden für die Welle, Anoden für Propeller und Propellermutter, Rumpfplatten sowie Anoden für Außenborder und Wärmetauscher (Motoranoden sitzen oft verborgen im Gehäuse — leicht zu vergessen). Wählen Sie Form und Masse passend zur geschützten Fläche — eine zu kleine Anode verbraucht sich vorzeitig und schützt nicht mehr, eine zu große schadet nicht, ist aber unwirtschaftlich. Denken Sie an die Anoden im Kühlsystem eines Motors mit Wärmetauscher.

Kontrolle und Wechsel gehören zur Saisonroutine. Praktische Regel: Tauschen Sie die Anode, wenn sie zu etwa 50 % verbraucht ist, und warten Sie nicht, bis sie ganz verschwunden ist, denn der Rest hat schlechten Kontakt und geringe Wirkung. Verschwinden Anoden ungewöhnlich schnell, ist das ein Signal für ein Problem: Streuströme aus der Elektrik, falsche Materialwahl oder Einfluss von Nachbarbooten in der Marina (Strom vom Steg). Eine Anode, die sich gar nicht verbraucht, ist ebenfalls verdächtig — sie kann durch Farbe oder schlechten Kontakt isoliert sein.

In Marinas mit Landstrom kommt das Risiko von Korrosion durch Ableitströme zwischen den Booten über den gemeinsamen Schutzleiter hinzu. Hier setzt man Galvanik-Isolatoren oder Trenntransformatoren ein, die den Weg des korrosiven Gleichstroms unterbrechen und dabei den Berührungsschutz erhalten. Das ist besonders für Yachten wichtig, die lange am Landstrom liegen. Das Schutzniveau prüft man mit einem Messgerät und Referenzelektrode (Rumpfpotenzial gegen Ag/AgCl oder Cu/CuSO4).

Zusammengefasst die gute Praxis: Anodenmaterial passend zum Revier wählen, sauberen Kontakt und durchgehendes Bonding sicherstellen, die Anoden jede Saison prüfen (Propeller- und Wellenanoden häufiger), sie nie lackieren und bei 50 % Verbrauch tauschen. Halten Sie Ersatzanoden an Bord und notieren Sie den Verbrauch — eine plötzliche Veränderung ist ein frühes Signal für ein Problem. Hersteller wie MG Duff, Vetus oder Volvo Penta veröffentlichen Kataloge zur Auswahl der Anoden für konkrete Bauteile und Wellen.

Materialpreise — Produkte und Varianten

Richtpreise in EUR (brutto), Stand Juli 2026. Die Produkte sind in Europa allgemein erhältlich; die Preise hängen von Händler, Gebinde und Verbrauch ab. Die Links führen zu Beispielshops mit Versand in der gesamten EU.

Opferanoden (Zink / Aluminium / Magnesium je nach Gewässer)
Wellen-, Propeller- und Rumpfanoden in passender Größe
Anoden für Motor und Wärmetauscher
Kabel und Klemmen für das Bonding (Potenzialausgleich)
Drahtbürste / Schleifpapier zum Reinigen der Kontaktfläche
Schlüssel für die Montage der Anoden
Galvanik-Isolator oder Trenntransformator (Landstrom)
Messgerät mit Referenzelektrode zur Potenzialkontrolle

Empfohlene Materialien und Quellen